Buntes Burjan Fest

Heute wurde die Gründungsmesse der Hildegard Burjan Pfarre gefeiert. Kaiser Josef II, der wie seine Mutter Maria Theresia ein großer Reformer gewesen war (ich stelle mir immer vor, wie unmöglich es gewesen wäre, eine allgemeine Schulpflicht einzuführen, hätte es zum Beispiel eine Volksabstimmung darüber gegeben, was natürlich nicht gegen direkte Demokratie spricht, dennoch Bemerkenswertes darüber aussagt, dass das Richtige nicht immer sofort populär ist) hatte jene Pfarrstruktur, die mehr oder weniger bis heute im katholischen Österreich herrscht, eingeführt – in Zeiten mit einem viel größeren Anteil an praktizierenden Katholiken und viel weniger Möglichkeiten der Mobilität.

Bei vielen Katholiken unserer Zeit ist die Strukturreform, der Kardinal Christoph Schönborn seine Diözese unterzieht, nicht sehr populär. Aber selbstverständlich ist sie notwendig und richtig – und ganz kirchlich wird sie sehr behutsam und mit langen Übergangszeiten angegangen. So ist aus mehreren alten Pfarrgemeinden eine neue Pfarrgemeinde entstanden, die den Namen von Hildegard Burjan trägt, einer der jüngsten Seligen der katholischen Kirche.

Sie ist auch der Grund dafür, dass ich mitgefeiert habe. Denn sie ist die einzige Politikerpersönlichkeit der Moderne, die selig- oder heiliggesprochen wurde – weltweit. Sie ist eine Frau aus Österreich, jüdischer Abstammung, mit einem beeindruckenden spirituellen Leben, einem geradlinigen Weg in der Politik und der segensreichen Wirkung, die bis heute anhält, weil sie die Caritas Socialis gegründet hat. An ihrem Gedenktag, dem 12. Juni, feiern von Beginn an – das war vor fünf Jahren – Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien eine Gedenkmesse. Es kann nicht verkehrt sein, auf diese besondere Persönlichkeit zu schauen, gerade in der Politik. Am Abend ihrer Seligsprechung im Stephansdom fanden übrigens zur gleichen Zeit der rechte Burschenschafter-Ball in der Hofburg und die linken Gegendemos – Sachbeschädigungen inklusive – in der Wiener Innenstadt statt. Irgendwie hatte ich damals schon das Gefühl, beim richtigen Event zu sein, dem der Mitte, des Miteinander und der Zukunftsfähigkeit.

Die Namensgebung für die neue Pfarre geht auf Pfarrer Martin Rupprecht zurückt. Im Kontakt mit der Caritas Socialis war die Idee für den Namen entstanden. Und da um Hildegard Burjan ein schönes Politikernetzwerk entstanden ist, hat heute auch mein Kollege im Wiener Landtag, Peko Baxant, mitgefeiert. Peko hat auch Omar Al-Rawi, muslimischer Abgeordneter im Wiener Landtag, mitgenommen. Auch zumindest eine weitere muslimische Familie hat den Gottesdienst mitgefeiert. – Und er war ein wirklich buntes und fröhliches Fest, in der übervollen Kirche am Kardinal Rauscher Platz, mit Katholikinnen und Katholiken aus allen Himmelsrichtungen, die alle der Pfarrgemeinde angehören – Albaner, Inder, Kroaten, Kosovaren, Österreicher, Philippinos, Polen und Andere. Sie alle haben zur Feier beigetragen. Es war ein wirklich globales Fest mitten in einem Wiener Außenbezirk. Ich bin froh, dass ich es erleben durfte.

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